VG News vom 29.11.2009    |    Herausgeber: www.virtual-galopp.de    |    Redaktion: Ariane, Bird, Cinna, Flashbolt, LilithHotaru, luci, Ricarda, Stella

Bunte VG-Welt

Gastautorenartikel
Super-N!N@
Gegen Homophobie - für mehr Toleranz
Ein kleiner Denkanstoß


Ich bin das Mädchen, dass zu Hause rausgeschmissen wurde, weil ich meiner Mam anvertraut hab, dass ich lesbisch bin.

Ich bin die Prostituierte, die die Straßen abklappert, weil niemand eine transsexuelle Frau anheuern will.

Ich bin die Schwester, die ihrem schwulen Bruder in den schmerzlichen, tränenreichen Nächten zur Seite steht.

Wir sind die Eltern, deren Tochter schon lange vor ihrer Zeit für uns gestorben ist.

Ich bin der Mann, der ganz alleine in einem Krankenhauszimmer gestorben ist, weil sie nicht meinen Partner reinlassen wollten, mit dem ich seit 27 Jahren zusammen bin.

Ich bin das Pflegekind, das aus Alpträumen aufwacht, in denen es ihren zwei Vätern weggenommen wird, der einzigen liebevollen Familie, die ich jemals gehabt habe. Ich wünschte, sie könnten mich adoptieren.

Ich gehöre zu den Glücklichen, nehme ich an. Ich habe den Angriff überlebt, wegen dem ich drei Wochen im Koma lag. In einem Jahr kann ich wahrscheinlich wieder laufen.

Ich gehöre nicht zu den Glücklichen. Ich habe mich umgebracht, wenige Wochen bevor ich die Highschool absolviert hätte. Es war einfach zu viel zu ertragen.

Wir sind das Paar, dessen Maklerin einfach aufgelegt hatte, nachdem sie erfahren hatte, dass wir eine Ein-Zimmer-Wohnung für zwei Männer mieten wollten.

Pixelio - Daniel Scheack


Ich bin die Person, die welche niemals weiß, welchen Waschraum ich benutzen soll, wenn ich verhindern will, dass sich das Management über mich beschwert.

Ich bin die Mutter, der es nicht erlaubt ist ihr Kind, dass sie geboren, um das sie sich gekümmert und das sie aufgezogen hat, zu besuchen. Das Gericht sagt, ich bin eine unpassende Mutter, weil ich mittlerweile mit einer anderen Frau zusammenlebe.

Ich bin diejenige, die häusliche Gewalt erlebt hat und erfahren muss, dass das System, was mir helfen soll, plötzlich Abstand nimmt, nachdem sie erfahren haben, dass diejenige, die mich missbraucht hat, ebenfalls eine Frau ist.

Ich bin derjenige, der häusliche Gewalt erfahren hat und kein System hat, an das er sich zur Unterstützung wenden kann, weil ich männlich bin.
Ich bin der Vater, der Angst hat, seinem Sohn Zuneigung zu zeigen, weil ich so erzogen wurde, Angst vor dem Zeigen von Zuneigung anderer Männer gegenüber zu haben.

Ich bin die Hauswirtschaftslehrerin, die immer Sport unterrichten wollte, bis man mir sagte, dass so was nur Lesben tun.

Ich bin die Person, die gestorben ist, weil die Rettungssanitäter aufhörten mich zu behandeln, sobald sie gemerkt hatten, dass ich transsexuell bin.

Ich bin die Person, die sich schuldig fühlt, weil sie denkt, sie könnte so viel besser sein, wenn sie nicht immer mit einer Gesellschaft klar kommen müsste, die mich hasst.

Ich bin der Mann, der aufgehört hat, in die Kirche zu gehen, nicht weil ich aufgehört habe zu glauben, sondern weil sie die Türen vor solchen wie mir verschließen.

Ich bin die Person, die das verstecken muss, was die Welt am meisten braucht: Liebe.

Ich bin die Person, die Angst hat ihren geliebten christlichen Eltern zu erzählen, dass ich einen anderen Mann liebe.

Ich bin das Mädchen, das Angst hat ihren Freunden zu erzählen, dass sie lesbisch ist, weil sie es vielleicht jedem homophobischen Arschloch in meiner Klasse erzählen könnten.


Dies und Das

21.11.2009
Specht
Das bedrohte Wort


In der heutigen Ausgabe widmen wir uns ganz dem Partywesen.
Ich dachte mir, da ja heute Samstagnacht ist, wird sicherlich der ein oder andere gerade auf einer fetten Fete sein.
Jeder kennt das, man ist mit einer lustigen Truppe unterwegs, vielleicht sogar schon leicht angeheitert und muss erstmal seinen Ausweis rauskramen, sowie sein spärliches Taschengeld zusammen kratzen um in den Club der Wahl reinzukommen. Schon draußen hat die Musik laut geklungen, aber drinnen wird man sich erst darüber im klaren, wie laut sie wirklich ist. An der Bar sind andere Partygänger dabei sich mit Alkohol volllaufen zu lassen und der Rest schwingt auf der Tanzfläche die Hüften zu den Beats die der SPU aufgelegt hat.
Häh, wtf? Der SPU? Was soll das denn sein?
Tja, der SPU, das ist der Schallplattenalleinunterhalter, also der Mensch, der einen Club überhaupt erst zu einem macht.

Was aber ist nun ein Schallplattenalleinunterhalter?
Diese Frage ist schnell und einleuchtend beantwortet. Wie viele sich denken können, kommt der Begriff aus der DDR, dem Land der unbegrenzten Kuriositäten. Das Wort Disc-Jockey hätte dort niemand in den Mund nehmen
dürfen, also wurde ein neues kreiert, der SPU.
Es konnte auch nicht jeder SPU werden, dazu musste man einen Eignungstest machen, einen einjährigen Grundlehrgang absolvieren und eine staatliche Prüfung bestehen.
Nur ein staatlich geprüfter Schallplattenalleinunterhalter dürfte vor einem größeren Publikum Musik abspielen und um seinen Arbeitsplatz auch für die Zukunft zu sichern, musste er nebenher auch noch an Fortbildungen teilnehmen.
Und was interessiert mich das? Ich will einfach nur Party machen und ich tanze zu der Musik eines DJs und nicht zu der eines SPQs.
SPU nicht SPQ.
What ever.

Pfft, Banause! Da will man etwas Bildung in die Partylandschaft Deutschlands bringen und dann so etwas.
So geht es nicht! Behalten wir die wesentlichen Dinge im Auge. DJ ist uns zu neumodisch.
Als Menschen, die kurioses nun mal lieben, heißt es ab nun nur noch SPU.

Denkt immer daran:
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Ich werde euch von nun an immer im Auge haben und wehe ich höre das Wort DJ oder lese es gar irgendwo. Wer auch immer es schreibt wird sich wünschen nie schreiben gelernt zu haben *irres Lachen*

Pixelio - Cornerstone
21.11.2009
Katha
Ein Farbenspiel im Haus
Weimar. Ein Haus. Viele bunte Räume.
Ein fast schon unscheinbar wirkendes Bauwerk, mitten im Herzen der rund 65.000 Einwohner Stadt in Weimar, erzeugt hohes Aufsehen.
Immer wieder strömen sowohl Schüler-, Rentner-, und Studentengruppen, als auch einzelne interessierte die vier Steintreppenstufen des gelben Wohnhauses hinauf und hinab. Unwissende beginnen sich zu fragen, was sich hinter diesen herrschaftlichen Mauern verbirgt, dabei ist die Antwort sehr naheliegend, wenn man die Entwicklung der deutschen Kultur auch nur ein bisschen kennt. Dort drinnen findet man auch nach vielen Jahren immer noch ein Stück Privatsphäre von dem berühmtesten Schriftsteller aus der Weimarer Klassik: Johann Wolfgang von Goethe.
Erneut nähert sich ein Pulk von neugierigen Schulbankwärmern, mit gezückten Stiften und bereit gehaltenen Blöcken, dem Gebäude, um jede noch so kleine Information zu dokumentieren. Allen voran ihre Deutsch Lehrerin. Mitten drin ich. Um das höchst mögliche Potenzial an Informationen zu erhalten, wurde extra für unsere Klasse eine Führung durch das Goethehaus gebucht.

Herr Nasdalla begann seine Führung im Innenhof des Hauses. Er machte uns bei stärker werdendem Regen auf den Brunnen aufmerksam und erzählte uns, dass es zu Goethes Zeit ein regelrechter Luxus gewesen war, so nahe an der nur gegenüberliegenden Küche eine Wasserstelle zu haben. Im Jahre 2009 wirkt die Beschreibung Luxus im Bezug auf den Brunnen fast schon als Beleidigung. Als nächstes folgte die Besichtigung einer hochbockigen Kutsche, welche seiner Frau gehörte, die deswegen viele Neider hatte.

Erst nach dieser Einführung in das Leben des Dramatikers betraten wir gemeinsam das Innenleben des Hauses. Der Geruch von altem, allerdings nicht verrotteten Holz stieg einem umgehend in die Nase. Während man die große Holztreppe hinaufgeht, merkt man, wie abgeflacht die Stufen sind und das es einem keine große Anstrengungen bereitet diese empor zu steigen. Goethe persönlich holte sich diese Idee auf seiner Italienreise um seinen Gästen ein angenehmes Treppensteigen zu ermöglichen. Das satte Minzgrün der Wände wirkt beruhigend auf den Betrachter.
Augenblicklich, sobald man die Stufen passiert hat, fallen einem die vier Großbuchstaben vor dem nächsten Zimmer auf. SALVE. Dieses Wort ist lateinisch und bedeutet sei gegrüßt. Goethe wollte damit seine Weltoffenheit allen Menschen gegenüber demonstrieren. Bei ihm war jeder willkommen, vor allem die Leute, die viel zu erzählen hatte und aus fernen Länden stammten.
Der gelbe Saal ist das folgende Zimmer, in diesem finden sich einige Kunstgegenstände, welche sein Hausherr von seiner Italienreise mit nach Haue gebracht hat. Die warme Wandfarbe bildete einen starken Kontrast zu dem dunklen Holzboden, trotzdem wirkt der Raum freundlich. In der Mitte des Zimmers steht ein großer Tisch, an dem, so erzählte uns der Führer, Goethe mit seinen Gästen nahe dem Kamin speiste.

Neben dem großen Esszimmer für die Empfangenen gibt es noch das kleinere Esszimmer, was ausschließlich Christiane, seinen Kindern und ihm selbst vorbehalten gewesen ist.
Das sogenannte Brückenzimmer schließt an den gelben Saal an, es verbindet direkt das Vorder- und Hinterhaus miteinander. Der gesamte Raum ähnelt fast schon einem Museum, passend zu den Büsten und den beiden Figuren von Schiller und Herda ist die Decke ähnlich dem römischen Stil schwungvoll gewölbt. Im Mittelpunkt des kräftig blauen Zimmers steht eine Skulptur von einem Knaben. Auf mich persönlich wirkt das Zimmer vom gesamt Eindruck her zwar schmuckvoll eingerichtet, aber reichlich unbewohnbar und fremd.

Im grauen Gartenzimmer bevorzugte Goethe es mit Freunden über verschiedene vertraute Themen zu reden. Dabei konnten alle Teilnehmer der Gespräche auf den wunderschön angelegten Garten schauen.

Pixelio - Marco Barnebeck


Pragmatisch eingerichtet und in warmen Farben wie rosa gestrichen sind die nächsten drei Zimmer, die Christianes Zimmer bilden. Zusammen mit ihrem Mann saß sie hier oft und vor allem gerne um mit ihm gemeinsam Schokolade zu naschen. Familienbilder an der Wand von unter anderem ihrem Mann, Goethes Sohn und Christianes Bruder vermitteln einen normalen, regelrecht bürgerlichen Eindruck. In der großen Stube, die als Wohnzimmer gedient hat, gibt es weitere Gemälde von ihr selbst, ihrem Mann, ihrem Sohn, seiner Frau und Goethes Enkel. Laut Herrn Nasdalla hat der Schriftsteller seine Enkel über alles geliebt und ihnen versucht alles zu ermöglichen. Die weitere Einrichtung des warmherzigen Wohnzimmers erinnert vor allem an persönliche Gegenstände seiner ehemaligen Bewohnerin. Auf dem Stuhl vor dem Fenster zum Innenhof hin saß Frau von Goethe oft, von dort aus konnte sie den Kindern beim spielen zu sehen und gleichzeitig den Haushalt planen. Es wirkt auf einen so, als habe Christiane vor wenigen Momenten noch genau an dieser Stelle gesessen, dabei ist sie schon Jahre lang verstorben.

Die Sammelleidenschaft des Hausherren spiegelt sich auch im nächsten, mittelblauen Zimmer wieder. Zahlreiche Kleinplastiken sind in einem großen Sammelschrank zu finden, ein Porträt von seinem engen Freund, Großherzog Carl August und weitere Malereien.
Geht man ein bisschen in die Knie und schaut von dem großen Sammlungszimmer hinaus in die anderen Räume, sieht man wie sich die unterschiedlichen Farben zusammenreihen wie die eines Regenbogens. Jede Farbe erweckt bei dem Besucher ein anderes Gefühl. Goethe hat sein Wissen von seiner Farbenlehrer bewusst angepasst und in seinem Haus eingesetzt.
Die Privatausstellung geht direkt in die nächste Räumlichkeit über. Das Majolikazimmer ist zwei Räume in einem, auf der einen Seite das Schlafzimmer von Goethe und seiner Frau, nach deren Hochzeit und auf der anderen Seite wieder eines der Sammlungszimmer. Ganze fünf Schränke mit ausgewählten Majoliken aus der 100 Objekte umfassenden Sammlung reihen sich aneinander. Man wird regelrecht überflutet mit den kostbaren Kunstobjekten.
Unsere Führung leitete uns weiter in das Deckenzimmer, was seinen Namen durch seine kunstvolle, barocke Stuckdecke erhielt, die vor allem mit flämischen und italienischen Zeichnungen verziert ist. Mit Freunden und Gästen war es für Goethe ein Ort der Kunstbetrachtung.
Erneut durchquerten wir den gelben Saal, ehe wir uns im Junozimmer wiederfanden. Die größte Büste des Hauses, die Kolossalbüste findet man in dieser Räumlichkeit vor.
Es diente Goethe früher als Empfangs- und Musikzimmer. An seinem Konzertflügel von Streicher saßen schon zahlreiche Berühmtheiten wie unter anderem Felix Bartholy und die polnische Pianistin Maria Szymanowski. Das Zimmer strahlte auf mich einen unheimlich vertrauten, beruhigenden Flair aus. Ich hatte während des Vortrages teilweise das Bedürfnis mich hinzusetzen und den Klängen des unbespielten Flügels zu lauschen. Bestimmt hing diese Eingebung auch mit dem griechischen Blau der Wände zusammen, welches das berühmte Sprichwort in der Ruhe liegt die Kraft, regelrecht bildlich, beziehungsweiße farblich darstellte. Für mich persönlich ist das Junozimmer der schönste Raum des Hauses, dort könnte ich mir am ehesten drin vorstellen zu wohnen.
Nur mit Rollentüren abgetrennt folgte das Urbinozimmer, ebenfalls in einem blau gehalten, doch in einem weitaus unstattlicheren als im vorherigen. Es war zu dem Zweck da, Leute nach ihrem Empfang im Junozimmer dort hinzubringen um mit ihnen reden zu können.
Im Gegensatz zu de sonst so mit Kunstgegenständen gesäumten Zimmern, sind die Räume nach dem Urbinozimmer sehr pragmatisch eingerichtet, nur mit dem nötigsten ausgestattet und mit kühleren Farben gestrichen. Goethe selbst meinte zum arbeiten würde er sonst abgelenkt werden.
Nach dem Tod von Christiana am 6.6.1826 zog sich Goethe so ziemlich komplett aus den bisherigen Räumen zurück, in den unteren Teil seines Hauses, in die er kaum Besucher oder Fremde hat eintreten lassen. Zwar hatte er schon die ganze Zeit über sein Arbeitszimmer im Untergeschoss, jedoch verlegte er dann auch sein Schlafzimmer nach unten. Die Privaträume Goethes bestehen aus einem Vorzimmer mit Schränken in denen er Mineralsteine sammelte, dem rustikal, einfach eingerichteten Arbeitszimmer, einer privaten Bibliothek mit Rund 7.000 Büchern und letztendlich seinem Schlaf- und Sterbezimmer, in dem er am 22. März 1832 mit den Worten “Mehr Licht” starb.
Wer noch Interesse hatte, durfte nach den Schlussworten von Herrn Nasdalla in den Garten hinter dem Haus gehen, ehe der Aufenthalt im Goethehaus schließlich zu Ende war.

Alles in allem war es eine schöne Führung durch Goethes Gemäuer, auch wenn es wenig neues für mich persönlich enthielt. Unser Führer hat sich wirklich Mühe gegeben, es hat Spaß gemacht ihm zu zuhören und man konnte einen guten Eindruck gewinnen, wie der große Schriftsteller gelebt hat.
Meiner Meinung nach ist das Junozimmer das schönste Zimmer, es strahlt diese stattliche Ruhe aus, läd zum Entspannen ein.
Sonst an sich finde ich das Haus wenig wohnlich, durch die ganzen verschiedenen Kunstgegenstände gewinnt es etwas musenhaftiges, was ich mir in meinen eigenen vier Wänden nicht unbedingt wünschen würde. Vielleicht liegt es auch einfach daran, das Goethe in einer ganz anderen Welt und Zeit gelebt hat als ich es heute tue, oder daran, dass ich mit all den Sachen nichts persönliches verbinden kann.
Es ist sehr interessant, dass das komplette Bauwerk in den Farben seiner Farbenlehre gehalten ist, was mir allerdings aber zu bunt wäre.
Im gesamten kann ich ein positives Fazit ziehen und jedem Goethe, oder auch nicht Goethe Fan eine Besichtigung empfehlen, allerdings mit Führung.


Longwriter

Ricarda/help me
Reiten lernen als Erwachsener

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Teil 5


Und ich sage euch es war traumhaft. Ich hatte wirklich DIE perfekte Reitbeteiligung für mich gefunden. Anfangs nahm ich zweimal die Woche den Unterricht in Anspruch und lernte unheimlich viel. Jeder kleine Fehler wurde von Hetja quittiert, indem sie einfach nichts machte, stehenblieb oder ihren sturen Araberkopf durchsetzte. Dadurch machte auch ich schnell Fortschritte.

Den Probemonat bestanden wir beide mit Bravour. Nach dem Probemonat machte ich nur noch eine Stunde Unterricht pro Woche und den anderen Tag versuchte ich es auf eigene Faust, was auch erstaunlich gut klappte. Nach einiger Zeit versuchte ich mein theoretisches Wissen alleine umzusetzen und so dazuzulernen. Schon nach 2 Monaten klappten die ersten Schenkelweichen und die einzelnen Hilfen sehr gut. Sogar vom Schritt in den Galopp und vom Galopp in den Schritt schafften wir es mit minimalen Hilfen.

Dann kam der Frühling und das Wetter lockte zum ersten Ausritt. Die Besitzerin war mitlerweile hochschwanger und konnte mich natürlich nicht begleiten und alleine sollte ich noch nicht raus. Also ritt ich die ersten beiden Male mit der Reitlehrerin zusammen im Gelände. Hetja war extrem schreckhaft, jedes fliegende Stück Papier, jedes unbekannte Geräuch versetzte sie in Streß. Sie war nie bösartig dabei, sondern sprang nur panisch zur Seite weg, was die Ausritte anfangs doch sehr stressig machte. Das Vertrauen war einfach noch nicht da zwischen uns.

Dies zeigte sich auch deutlich als die Weidesaison wieder begonnen hatte und die Pferde für Tag und Nacht auf die Sommerweide kamen. Somit musste ich mir zum Reiten Hetja immer holen gehen. Dies gestaltete sich aber reichlich schwierig, da sie mich ziemlich verarschte. Sie war einfach sehr clever und Einfangen hieß ja "Arbeit". Ich konnte mich bis auf einen Meter nähern, machte einen Schritt mehr und schon raste sie im Galopp davon. Ich brauchte teils fast eine Stunde alleine zum Einfangen. Das war sehr nervig.

So machte ich mich in den nächsten Wochen daran, verstärkt Bodenarbeit und Longenarbeit vor dem eigentlichen Reiten zu machen. Ich hatte mitlerweile fast völlig freie Hand, da die Besitzerin nur noch einmal die Woche überhaupt in den Stall kam.

Mit der Bodenarbeit versuchte ich, das fehlende Vertrauen aufzubauen. Anfangs eher kläglich, da mir ja jegliche Erfahrung fehlte. Was ich wusste, wusste ich nur aus Büchern. So fragte ich dann auch die Reitlehrerin um Hilfe und diese gab mir gute Tipps. Es dauerte allerdings mehrere Wochen, bis das Vertrauen sich langsam bildete.



So lange wollte und konnte ich natürlich nicht mit der „Jagd“ auf der Weide weitermachen, also musste da erst mal Bestechung her. Ich besorgte mir erstmal ein langes Seil um die Weite abzugrenzen. Dann lockte ich Hetja mit dem Futtereimer in diesen kleinen Bereich, ließ sie futtern und machte hinter ihr einfach das Seil fest. Clever wie sie war, wollte sie natürlich flüchten, als ich auf sie zu kam, um sie mitzunehmen. Tja da war aber plötzlich so ein blödes Seil. So hatten wir dann dieses Problem auch erstmal gelöst.

Der Sommer stand kurz vor der Türe, die Besitzerin bekam ihr Baby und kam gar nicht mehr in den Stall. Ich konnte so oft reiten wie ich wollte, Unterricht nahm ich nur noch gelegentlich in Anspruch, da alles so wunderbar klappte. Am Ende des Sommers hatten wir dann einiges erreicht. Unterm Sattel in der Halle lief es wunderbar, die Hilfen klappten und wir verstanden uns prima. Und auch im Gelände hatte sich einiges getan. Mit viel Geduld und Arbeit waren wir am Ende des Sommer so weit, dass wir an einem fahrenden Traktor vorbeireiten konnten, ohne dass sie mit der Wimper zuckte.

Ich war wirklich glücklich. Von mir aus könnte es ewig so weitergehen.

Aber dann kam der Winter und ich bekam einen Anruf von der Besitzerin. Sie schaffte es einfach nicht mehr in den Stall, die Reitlehrerin hatte auch nicht mehr soviel Zeit wir früher und die Besitzerin hatte eine 2. Reitbeteiligung für Hetja gesucht und wir sollten uns bitte die Woche aufteilen.

Ich war geschockt. Ich hatte mir soviel mit ihr aufgebaut und wir hatten soviel erreicht und nun sollte ich sie mit irgendwem teilen, den ich nichtmal kannte. Na wunderbar.
Die Neue war mir vom ersten Tag an unsympatisch. Sie war so ganz anders als ich. Sie wollte einfach nur „reiten“. Hetja als Persönlichkeit war ihr völlig egal. Putzen war ein notwendiges Übel. Kuscheln oder Vertrauen war unwichtig.
Es war wirklich schwierig mit ihr auszukommen, aber ich hatte ja wenig Wahl. War ja nicht mein Pferd. So musste ich das einfach akzeptieren. Und tat in der Zeit, wo ich da war, für Hetja das beste, was ich ihr geben konnte und ging der anderen aus dem Weg.

Der aufkommende Frühling sollte dann alles für mich verändern. Ich bekam am Montagnachmittag einen Anruf. Es war die Besitzerin von Hetja. Sie teilte mir mit, dass Ihr Kind schwer krank sei und sie vor ein paar Wochen beschlossen hat, Hetja zu verkaufen. Sie würde morgen abgeholt. Ich war völlig neben mir. Klar zum Einen erschrocken, dass ihr Kind so krank war. Aber noch mehr geschockt war ich, das musste ich zugeben, dass sie mir Hetja so quasi unterm Hintern weg verkaufte.

Ich hatte keine Chance mehr, mich von Hetja zu verabschieden. Da ich für diesen Tag kein Auto hatte, da mein Mann arbeiten war bis spätabends. Und am nächsten Morgen sollte Hetja ja schon weg sein. So musste ich sie gehen lassen, ohne ihr auch nur Aufwiedersehen sagen zu können. Ich erfuhr auch nur, dass sie irgendwo nach Norddeutschland auf ein Zuchtgestüt verkauft worden war. Mehr sagte man mir nicht. Ich war tottraurig und verkroch mich erstmal tagelang. Ich hatte sie so liebgewonnen. Und hätte ich es auch nur geahnt, dass sie verkauft werden würde, ich glaub ich wäre auch so verrückt gewesen, sie selber zu kaufen, was ich mir finanziell gar nicht hätte leisten können. In dem Moment wars mir aber egal.

Naja es half alles nichts. Hetja war weg und ich musste mich entscheiden. Reite ich weiter oder lasse ich es sein. Ich entschloss mich, es zu versuchen und versuchte nun eine Möglichkeit, zum Reiten zu finden. Dazu aber dann mehr in der nächsten Ausgabe.


Pixelio - Maren Beßler


Ihr wollt mehr lesen und wissen, wie es mir als erwachsene Wiedereinsteigerin in den Reitsport ergangen ist? Wie ich es erlebt habe und was mir alles passiert ist (und das war nicht wenig *g*)? Dann schaut in die nächsten Ausgaben der VG-News. Dort geht es dann weiter.


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