
VG News vom 22.01.2012 | Herausgeber: www.virtual-galopp.de | Redaktion: Ariane, Bird, Cinna, Erdbeere, Libertine, luci, Willow
Dies und Das

Chantico

Chantico
| 22.01.2012 | -LucifersAngel- | Stallgeflüster – Klatsch und Tratsch vom Ponyhof„Schade, dass die Stallsuche beendet ist, ich habe die Reihe gerne gelesen. Kann man das nicht als Reit-Tagebuch weiterführen?“ bekam ich im FE-Forum zu lesen. Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht, doch die Idee gefiel mir. Und so werde ich euch auch in Zukunft brav Bericht erstatten, was im Stall so Neues vor sich geht…
Teil III – KelimaWie im letzten Teil schon angedeutet, war ich in den wenigen Wochen, in denen der Spätherbst uns noch mit Sonnenschein verwöhnte, zumeist im Gelände unterwegs. Nur an einem Tag war das anders, und von diesem Tag möchte ich heute erzählen:
Als ich in den Stall kam, wurde ich bereits erwartet. Mit den Worten „Du reitest heute Kelima…“ begrüßte mich die Reitlehrerin. Ich musste einen Moment schalten, denn bei meinen letzten Besuchen war ich ja immer mit Dora unterwegs gewesen und hatte die braune Vollblutstute nicht weiter beachtet. „…, aber du musst sie erstmal ein bisschen ablongieren, sie steht seit 5 Wochen nur rum.“, fuhr die Besitzerin fort. „Na prima.“, dachte ich mir, ein nicht ausgelastetes Vollblut passte sicher ganz prima zu mir. Aber die Reitlehrerin begründete ihre Entscheidung so, dass selbst ich nicht mehr widersprechen konnte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich schon sehr früh gelernt hatte, dass man Reitlehrern bei der Pferdewahl ohnehin nicht widersprach, leuchteten mir ihre Argumente ein. Sie war der Meinung, dass ein Pferd, dass sofort auf einen verspannten Reitersitz reagierte, mir am schnellsten würde abgewöhnen können, mit den Oberschenkeln zu klemmen. Das klang in meinen Ohren sinnvoll, also willigte ich ein.
Ich machte die Stute also fertig fürs Reiten und ging mit ihr zum Reitplatz. Die Reitlehrerin kam mit Longe und Peitsche hinterher. Sie hatte angekündigt, mir zunächst einige Besonderheiten beim Longieren der Stute zeigen zu wollen, bevor ich dann übernehmen sollte. Obwohl ich das kleine Longierabzeichen besaß und sie mir alles nochmal erklärte, war ich nervös. Es war mehr als drei Jahre her, dass ich das letzte Mal longiert hatte und ich wollte auf keinen Fall etwas falsch machen. Die Stute wirkte zwar eigentlich brav, aber das konnte sich ja auch noch ändern. Dennoch griff ich beherzt zur Longe, als sie mir angeboten wurde. Die Peitsche würde ich wohl nicht brauchen bei einem ehemaligen Rennpferd, dass seit Wochen nicht mehr hatte arbeiten müssen, weil dafür angesichts des bevorstehenden Zeltaufbaus die Zeit fehlte.
Wider Erwarten lief dann auch alles ganz unspektakulär ab: Ein paar Mal korrigierte die Besitzerin einige Kleinigkeiten, aber im Großen und Ganzen kamen wir gut zurecht und Kelima bockte sich erstmal richtig aus. Was war ich froh, dass ich noch nicht auf dem Pferd saß. Wie von der Tarantel gestochen schoss sie los, als ich das Signal zum Angaloppieren gab, und sprang bockend über den Platz. | Dann stieg ich aufs Pferd. Die Ausbinder behielt ich fürs Erste noch drin, um mich mehr aufs Pferd konzentrieren zu können und mich erstmal an die Stute zu gewöhnen. Sie hatte sehr weiche Gänge und reagierte super auf Schenkel- und Gewichtshilfen. Ein tolles Pferd. Die Besitzerin hatte schon im Vorfeld der Reitstunde vorhergesagt, dass ich hinterher vermutlich kein anderes Pferd mehr würde reiten wollen. Ich war noch keine drei Meter geritten und war schon überzeugt, dass sie damit Recht behalten würde.
Nach einer Weile trabte ich an. Sofort merkte ich wie sich die Stute unter mir verspannte und prompt kam die Anweisung: „Bleib locker, nicht mit den Oberschenkeln festhalten – das mag sie gar nicht.“ Letzteres war mir auch aufgefallen, denn Kelima war unter mir immer schneller geworden und ließ sich nur noch mit viel Mühe auf dem Zirkel halten. Ich versuchte mein Bestes, mich zu entspannen und die Beine locker hängen zu lassen. Irgendwie war mir das früher alles leichter gefallen. Oder hatte ich es früher genauso falsch gemacht, es war nur niemals jemandem aufgefallen?
Schließlich wurde es besser und wir trabten wieder halbwegs gesittet dahin. Jetzt wollte die Reitlehrerin es wirklich wissen: „Galoppier‘ sie mal an, keinen Druck aufbauen, einfach eine Galopphilfe geben und dann geht das schon.“ Ich gab mir wirklich Mühe, nicht zu klammern, aber offensichtlich war mir das nicht gelungen. Mit einem Bocksprung galoppierte die Stute an und schoss mehr oder weniger kontrolliert los. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. „Mach die Beine auf, nicht noch fester zu, das macht es nicht besser.“, hörte ich die Besitzerin sagen. Irgendwie schien ich es zu schaffen, denn Kelima wurde langsamer, sodass ich schließlich durchparieren konnte. Anscheinend hatte ich aber ein großes Unbehagen ausgestrahlt, denn gleich darauf sollte ich nochmals angaloppieren, damit ich merkte, dass ich keine Angst haben bräuchte. Dabei hatte ich gar keine Angst gehabt. Klar, die Stute war losgeschossen und ich war ihrem Tempo ein bisschen ausgeliefert gewesen, aber es brauchte schon ein bisschen mehr, um mir Angst zu machen. Schließlich hatte sie nicht unkontrolliert gebuckelt oder war gestiegen. Es gab wirklich Schlimmeres als Losrennen. Trotzdem galoppierte ich nochmal an und es klappte schon besser.
Danach ließen wir es für dieses Mal gut sein. Auch wenn wir nicht perfekt harmoniert hatten, ich war mir sicher, dass ich von diesem Pferd viel würde lernen können. Immerhin war dies unsere erste gemeinsame Reitstunde gewesen – und ich hoffte, dass noch viele folgen würden. |
| | | Psychotest: Was für ein Pferd bist Du?Um herauszufinden, was für eine Art von Pferd Du wärst, beantworte Die bitte die Fragen und notiere Dir jeweils den Buchstaben deiner Antwort. Zudem sei natürlich erwähnt, dass dieser Test nicht allzu ernst genommen werden sollte.
1. Du befindest Dich auf einer Party und die Stimmung ist ausgelassen.
Wie verhältst Du Dich?
a) Ich kenne sie alle und wer mich nicht kennt, wird mich kennenlernen. Daher wandere ich von einem Grüppchen zum nächsten und gönne jedem zwei Minuten in meiner erlauchten Gesellschaft.
b) Ich bin der absolute Spaßmacher und trage durch meine witzige Art mindestens 90% zur Stimmung bei.
c) Ich bleibe bei den Leuten, die mir vertraut sind, schaue aber neugierig in die Runde und warte mal ab, was so passiert.
d) Nein! Auf eine Party würden mich keine zehn Pferde bringen
e) Ich fühle mich unter so vielen Menschen nicht wohl und halte mich eher zurück
2. Du hattest ein Date und zwar eines von der Sorte Katastrophal. Deine Verabredung machte falsch, was man nur falsch machen kann. Sie/Er war unaufmerksam, brabbelte die ganze Zeit ohne Unterlass von sich selbst und bestellte dann auch noch für euch beide etwas völlig Ungenießbares. Würdest Du diesem Date eine zweite Chance geben?
a) Also bitte! Wie kann man denn bei meinem Anblick von sich selber reden! Ich würde ihm/ihr vielleicht eine zweite Chance einräumen, wenn er/sie mich auf originelle Art und Weise zu überzeugen weiß, aber nur vielleicht!
b)Ach ja klar! Ich mag eigentlich alle Menschen, auch die die mit sich selbst beschäftigt sind. Beim nächsten Mal fahr ich ihm/ ihr einfach in die Parade und fang als erstes an zu quatschen.
c) Och ja, warum denn nicht. Vielleicht war er/sie ja nur nervös und hat sich deswegen etwas unaufmerksam verhalten. Das kann jedem passieren, daher steht für mich einer zweiten Chance nichts im Weg
d) Auf gar keinen Fall!
e) Also ich weiß nicht. Macht mir ja nix, aus, über andere zu reden, aber bei der Bestellung nicht mal nach meiner Meinung gefragt zu werden, find ich nicht schön.
3. Du bist mit Deinem/er besten Freund/in in der Stadt unterwegs. Plötzlich parkt er/sie einen seiner/ihrer Schuhe mitten in einem fetten Hundehaufen und rutscht zur Belustigung einiger anderer Leute auch noch darauf aus. Wie reagierst Du? | a) Jetzt bloß die Haltung bewahren! Unter Kontrolle aller Gesichtszüge helfe ich meinem/r Freund/in hoch. Dann krame ich aus meiner Tasche Taschentücher, mein Ersatzpaar Turnschuhe und meine EC Karte und leiste erste Hilfe in Form von neuen Klamotten und nem Drink.
Maren Beßler/Pixelio.de
b) Ach, das ist doch kein Problem! Ich weiß, meinem/r Freund/in ist die Situation voll peinlich, daher mache ich einfach mit und trete auch noch in den Haufen. Dann haben wenigstens alle was zu lachen.
c) Ich finde die Situation zwar auch schrecklich unangenehm, aber ich bleibe natürlich und helfe meinem/r Freund/in so gut es geht aus der Situation heraus. Reiche alle meine Taschentücher, die ich habe und stehe ihm/ihr natürlich zur Seite.
d) Blöde Frage! Ich zieh den Kragen meiner Jacke hoch, hoffe, dass mich niemand erkennt und verzieh mich.
e)Oh mein Gott, wie schrecklich. Ich bin selbst so peinlich berührt, dass ich einfach nur dastehen kann und warte bis er/ sie sich selber wieder aufgerappelt hat.
4. Du hast Dir in einem Geschäft einen Artikel bestellt, den der Laden nicht mehr vorrätig hatte. Nun sind drei Tage vergangen, der Artikel ist auch eingetroffen, aber in einer ganz anderen Farbe, als Du ihn haben wolltest. Wie verhältst Du Dich?
a) Ich finde das schon ärgerlich und eine gute Werbung für das Geschäft ist das nicht. Ich verzichte allerdings darauf, der Verkäuferin eine Szene zu machen, oder den Artikel erneut zu bestellen, sondern versuche mein Glück in einem anderen Laden.
b) Ich finde das überhaupt nicht schlimm. Ganz im Gegenteil. Ich sage der Verkäuferin, dass es nicht tragisch ist und erzähle ihr unaufgefordert von meinen eigenen Missgeschicken. | c) Ach ja, schön ist es nicht, aber so was kann halt passieren. Ich bitte die Verkäuferin, mir den gewünschten Artikel erneut zu bestellen und damit ist die Sache vom Tisch.
d) Also ehrlich, das ist doch unfassbar! Das strotzt ja nur so vor Inkompetenz. Natürlich nehme ich den Artikel nicht und überhaupt sieht der Laden mich nie wieder!
e) Ich bestelle grundsätzlich nichts. Entweder ich finde im Laden, was ich will, oder ich hab eben Pech gehabt.
5. Du sitzt in einem Bus. An einer Haltestelle steigen drei vorlaute kleine Jungs ein, die es sich auf einem der Vierersitze bequem machen, dort herumlümmeln, laut Musik hören und allen Anwesenden gehörig auf die Nerven gehen. An einer weiteren Haltestelle steigt eine ältere Dame ein und auf die Bitte, ob wohl einer der Jungs ihr seinen Platz zur Verfügung stellen könnte, sagt der Junge nein und bleibt einfach sitzen. Was tust Du?
a) Aber das ist doch ganz einfach. Ich bitte einen der anderen Fahrgäste, der Dame Platz zu machen, dann setze ich mich in die Nähe der drei Jungs, stelle meine Handy auf volle Lautstärke und spiele ihnen etwas von den Wildecker Herzbuben vor. Lange werden sie dann sicherlich nicht mehr dort sitzen.
b) Ich reiße einfach nen Witz und versuche damit die Situation aufzulockern. Lachen hat noch jedem geholfen
c) Ich stehe auf und biete der Dame meinen Platz an!
d) Nee, mit mir nicht! Die kauf ich mir die Rotzgören und wenn ich die von den Sitzen zerre!
e) Ich misch mich da nicht ein. Vielleicht regelt ja der Busfahrer das.
So, wenn ihr alle Fragen beantwortet habt, dann zählt zusammen, welchen Buchstaben ihr am häufigsten angekreuzt habt. Damit die Spannung etwas erhalten bleibt, gibt es aber die Texte der Auflösung erst ab Dienstag 24.01.2012 im Forum.
Für den Fall, dass ihr jeden Buchstaben einmal angekreuzt habt, lest einfach alle Texte durch und sucht euch das Beste raus.
Viel Spaß!
|
Der ultimative Ländercheck, oder: Wie lebt man wo? Heute: Kanada - Das Land der Holzfäller
In welchem Land warst du und wie lange warst du dort?
Ich war in Kanada und zwar neun Monate lang.
Warum bist du gerade in dieses Land gereist?
Zum einen weil meine Familie dort Verwandtschaft hat und zum anderen, weil ich als kleines Kind schon einmal dort zu Besuch war und ich unbedingt das Land bewusst bereisen wollte.
Welche Erwartungen hattest du und haben sie sich erfüllt?
Eigentlich habe ich mir vor allem erhofft, mein Englisch zu verbessern, was eindeutig passiert ist – zum Glück. Außerdem wollte ich eigene Erfahrungen machen, mir und meiner Familie beweisen, dass ich auch alleine klar komme.
Hattest du Angst und würdest du im Nachhinein sagen, dass das unberechtigt war?
Klar hatte ich Angst. Angst, dass ich keinen Job finden würde, dass ich keine WG auftreiben könnte, und und und… Ich glaube, die größte Angst hatte ich davor, dass ich nicht einen Monat durchhalten würde. Die Angst war definitiv unbegründet, ich hatte keinerlei Probleme zurechtzukommen, aber das lag auch sehr an den Menschen, die einem einfach immer unter die Arme greifen oder Hilfe anbieten und diese im Gegensatz zu den Stern-und Streifbeflaggten Nachbarn auch tatsächlich so meinen ;-)
Wie hast du Kontakt zu deiner Familie und deinen Freunden gehalten?
In der ersten Zeit vorwiegend über E-Mails, später vor allem über Skype und Telefon (zum Glück gibt’s Flatrates :D)
Hast du viele neue Leute kennengelernt? Wo?
Ja, ich habe total viele neue Leute kennen gelernt, vor allem in den Hostels, Pubs und natürlich auf der Arbeit.
In welcher Stadt/in welchen Städten hast du gelebt? Wie hast du gelebt (WG/Hostel/anderweitig)?
Ich war vorwiegend auf Gabriola Island, einer Nebeninsel von Vancouver Island. Außerdem in Vancouver (in verschiedenen Hostels), Victoria (in einer WG) und in Wildwood, einem kleinen Provinznest zwischen Edmonton und Calgary, da habe ich auf einer Farm gearbeitet.
Wo hast du gearbeitet und was waren deine Hauptaufgaben?
Auf Gabriola Island war ich bei einer Familie, da musste ich für einige Monate die Großmutter des Familienvaters betreuen, die an Demenz erkrankt war und in einem betreuten Wohnen lebte, später habe ich dann die drei Enkeltöchter von ihr gesittet (anderthalb, fünf und sechs Jahre alt) und den Haushalt gemacht, da die Eltern zeitgleich ein Restaurant und ein Haus gebaut haben – und zwar nur mit ein paar Freunden zusammen.
Auf der Farm habe ich die üblichen Stallarbeiten gemacht, also Boxen ausmisten, Pferde rein- und rausgebracht, getränkt und gefüttert.
Bist du viel durchs Land gereist?
Nein, leider nicht. Entweder hatte ich kein Geld oder einen Job, bei dem ich mir nicht wirklich viel freinehmen konnte. Aber das, was ich gesehen habe, war so ungefähr die schönste und faszinierendste Landschaft, die man sich vorstellen kann.
Summertime/ Klick zum Vergrößern
Was hat dir besonders gut gefallen?
Die Menschen waren unglaublich freundlich, die waren nicht so konservativ wie in Deutschland, offener und gelassener. Im Pub hat man sich einfach zusammengesetzt, wenn am Tisch noch ein Plätzchen frei war, man hat Handynummern ausgetauscht und sich nochmal getroffen. Ich glaube, das tollste Erlebnis hatte ich, als ich mit der Fähre von Vancouver Island nach Vancouver gefahren bin, weil ich Freunde besuchen wollte.
Ich wollte vom Fährhafen mit dem Bus in die Stadt fahren, wusste aber leider nicht, dass man die Tickets nur in der ersten halben Stunde der Fahrt kaufen konnte. Am Schalter saß eine Frau, die eine Regenjacke trug, die der des Busfahrers ziemlich ähnlich sah. Es stellte sich dann heraus, dass sie da nur saß, weil es keine anderen Sitzplätze gab.
Ich war natürlich ziemlich angeschmiert, weil ich einerseits irgendwie nach Vancouver kommen musste, was 20 Kilometer vom Hafen entfernt war, andererseits wollte ich mir kein Taxi rufen – das war mir eigentlich zu teuer.
Während ich noch am Überlegen war, kam auf einmal die Frau raus, die eben am Schalter gesessen hatte und fragte mich, ob ich nicht bei ihr und ihrem Mann mit nach Vancouver fahren wollte. Begeistert sagte ich zu und so kamen wir auch weiter ins Gespräch. Die Beiden erzählten mir, dass sie ab und an Tramper mitnahmen, weil ihre eigenen Kinder früher auch getrampt seien und sie diese guten Erfahrungen gerne an andere junge Leute weitergeben wollten. In Vancouver habe ich die beiden gebeten, mich einfach irgendwo rauszulassen, aber die haben mich bis vors Hostel fahren und der Mann hat sogar noch mein Gepäck in die Lounge getragen. Die Adresse der Leute habe ich auch bekommen und ein paar Tage später noch eine Postkarte geschrieben und mich nochmals bedankt.

Summertime/ Klick zum Vergrößern | Was war dein schönstes Erlebnis?
Abgesehen von den Leuten, die mich mit nach Vancouver genommen haben, ist da noch meine Wohnungssuche. Knall auf Fall habe ich einen Job in Victoria bekommen und brauchte ein Zimmer, denn auf die Dauer war das Hostel zu teuer.
Leider klangen die Anzeigen beinahe durchweg nach „Mann sucht junge Mitbewohnerin = niedrige Miete.“ Meine Hintergedanken waren offensichtlich.
Irgendwann habe ich doch noch eine gut klingende Anzeige gelesen und den Leuten gleich eine E-Mail geschrieben und konnte das Zimmer schon am nächsten Tag besichtigen. Nachdem ich mich etliche Male verlaufen hatte, kam ich schließlich doch an der Wohnung an und war erst mal dezent von meinem eventuell-bald-Mitbewohner…mhmm, sagen wir unbegeistert. Sah ziemlich nach Öko aus und mit solchen Leuten komme ich eher weniger aus.

Summertime/News-Galerie
Aber er war total nett und das Zimmer super groß, aber leider unmöbliert.
Stephan versprach mir aber, sein Bett aus seinem Elternhaus hier hinzustellen, sollte ich das Zimmer bekommen – immerhin das.
Abends bekam ich eine E-Mail und ich hatte tatsächlich das Zimmer bekommen. Daraufhin bin ich zurück nach Gabriola gefahren, um ein Auto zu kaufen und meine Klamotten zu holen. Am ersten Abend in Victoria war ich vollkommen erschlagen vom Umzug und wollte eigentlich schlafen. Allerdings begrüßte ich dann doch noch meine Mitbewohner, die mir erzählten, dass sie über 15 Bewerber für das Zimmer gehabt hatten und das ich die Einzige gewesen war, die sie wollten, der Rest war wohl zu abgefreakt.
Ganz schön cool und der Jackpot war, dass zwei meiner drei Mitbewohner in einem Buchladen arbeiteten und ich kostenlos Bücher, Zeitschriften und Groschenromane bekam – auf Deutsch! Das war genial.
Was war dein schlimmstes Erlebnis?
Das war definitiv auf der Pferdefarm in der Provinz Alberta. Die Leute da hatten 300 Pferde und ca. 30 Boxen, die Fohlen standen teilweise zu zweit in einer Box, Stroh gab es nicht und der Boden war mit Gestein durchsetzt. Wunden wurden nicht versorgt, einem Fohlen konnte man direkt aufs Röhrbein gucken :-(
Am schlimmsten war es, als wir zu zweit 60 Pferde auf die Weide bringen mussten. Ich bin voran gegangen und eine weitere Mitarbeiterin hinterher. Es war im Winter und dementsprechend ziemlich kalt und der Boden glatt gefroren. Eine der Stuten stürzte und sprang in Panik in den angrenzenden Drahtzaun. Alle anderen Pferde natürlich hinterher. Aber anstatt geradeaus zu rennen, drehte die Stute, die zuvor gestürzt war, von der Herde ab und lief in den nächsten Zaun, wo sie erneut stürzte und sich im Draht verfing. Vorsichtig bin ich zu ihr gelaufen, um sie da irgendwie rauszuholen. Kurz bevor ich sie erreicht hatte, sprang sie auf und raste in den Wald. Ich bin ihr weiter hinterher gegangen, während das andere Mädel Hilfe holte, um die Pferde zusammenzutreiben und die Zäune zu reparieren.
Nach einem Fußmarsch von mehr als einem Kilometer fand ich das Pferd endlich. Der Schnee um sie herum war rot vor Blut. Der Draht hatte der Stute den Oberarmmuskel vom rechten Vorderbein geschnitten. Nur mit einem Gürtel brachte ich sie zurück zum Stall. Der Besitzer rief den Tierarzt nur an, um zu fragen, welche Vitamine er spritzen sollte. Um die Wunde kam eine dreckige Bandage und etwas Iod. Sie ging ein, kurz nachdem ich die Farm verlassen hatte, nachdem der „Züchter“ vier Pferde an den Schlachter verkaufte, damit er Geld für Heu hatte (ein 400kg Rundballen musste für 40 Pferde zwei Tage lang reichen). Das war der Moment an dem ich nicht mehr konnte, nervlich war das für mich nicht auszuhalten.
Was war das Lustigste, das du erlebt hast?
Oh, das lustigste war wohl definitiv die Punkhaus-Zerstörungsparty, wie ich sie in Gedanken immer nenne. Ich habe gerade zwei Tage in Victoria gewohnt und bereits sieben Stunden in das Erkunden der Stadt investiert, da ich leider den Heimweg vom Supermarkt zur WG nicht gefunden habe (zum Supermarkt hin war es allerdings nie ein Problem…). Nun ja, wie auch immer. In weiser Voraussicht beschloss ich zu laufen und meinen inzwischen gekauften Stadtplan einzuweihen.
Soweit, so gut. Ich schlendere also fröhlich mitten in der Nacht mutterseelenallein durch die Stadt, als mich auf einmal ein Obdachloser anspricht: „Mädchen! Bist du denn verrückt! Alleine darfst du als Frau hier nicht langgehen! Komm, bis dahinten gehe ich mit dir, dann muss ich links weiter.“
Ich: „Ähm öh äh ja, okay?“
Er war aber sehr nett und wir haben uns gut unterhalten. Alsbald lief ich wieder alleine die Straße entlang, die laut Stephans Angaben direkt zur Party führen sollte…
In einiger Entfernung sehe ich dann plötzlich eine brennende Mülltonne. Huch, dachte ich, wollte mich der Obdachlose von vorhin direkt in die Höhle des Löwen schicken?
Nein, wollte er scheinbar nicht, denn auf einmal kam mir ein Punk samt Hund entgegen. Ich leicht verzweifelt auf meine Karte geguckt, nicht, dass ich mich nicht doch verirrt hatte. Stephan angerufen, damit er mich abholt. Hat er auch gemacht. Als wir uns endlich gefunden hatten, liefen uns immer mehr Punks über den Weg.
Kate, seine Freundin, sollte heute auf der Party spielen.
Ich fragte, was das überhaupt für eine Party sein soll.
Eine Punk-Party. Die hatten das Haus wohl jahrelang besetzt (dementsprechend sah es aus und roch noch schlimmer) und sollten am nächsten Tag hinaus geworfen werden und das Haus abgerissen. Sagen wir: Die haben dem Bauunternehmer eine Menge Arbeit erspart – den Möbelpackern übrigens auch. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, brannte bereits im Garten (immer noch mitten in der Stadt), vollkommen egal ob da noch Klamotten drin waren oder nicht. Innen war alles total versifft, aber, seien wir ehrlich: Mit zunehmenden Pegel sinken die Ansprüche. Zum Glück war ich nur leicht angeheitert, konnte aber immerhin einigermaßen über den Zustand der Baracke hinweg sehen.
Allerdings nicht darüber, das dann doch noch die Polizei aufkreuzte…
Verdammt, auf einmal hatte ich derbe Panik um mein Visum. Ich wollte nicht ausgewiesen werden!!! (inzwischen lag mein Pegel dezent höher…)
Nun ja, Stephan hat mich nach draußen und an den Bullen vorbeigebracht. Der eine Polizist war nett und sah auch richtig gut aus (ich habe aber leider vergessen, dass ich betrunken war. Bin peinlich berührt wieder aus dem Blumenbeet gekrabbelt und mir geschworen nie wieder zur Seite hinlächelnd einen Kerl anzuschauen und weiterzulaufen…) | Jetzt ging’s aber erst richtig los. Ein zweiter Polizist verlangte von mir, dass ein Drogenschnüffler meine Tasche durchsuchen sollte. Ich war zwar wenig von der Idee angetan, aber bitte… Der Hund war übrigens total süß und hat sich gerne mal kraulen lassen – das wollte der Hundeführer aber nicht. Irgendwann, drei Straßen weiter, meinte Stephan, dass er jetzt total froh sei, dass er mir nicht sein Gras in die Tasche gepackt hatte. Beinahe hätte ich ihn auf offener Straße erschlagen. Meinetwegen sollte der blöde Öko Pflanzen rauchen, wie er wollte, aber doch bitte mich da raus lassen.
Nun ja, wir waren gerade im Park oberhalb unserer WG, als ich es hinter mir nur noch rascheln und stöhnen hörte. Drei Meter zurückgelaufen und Stephan in einer kampfeslustigen Meute Brombeerranken entdeckt. Mit seiner Freundin zusammen herausgezogen, obwohl er dort übernachten wollte.
Am nächsten Morgen klopfte der Sack bereits um halb sieben an meiner Tür. Sein Gras wäre weg und sein Körper und seine Klamotten voller Kratzer und Dornen. Ob ich…? Nein, hatte ich nicht. Weder geraucht noch weggeworfen. Dornen und Kratzer siehe Brombeeren…
Seufzend an meinen Kaffee gedacht und angezogen. Regnete natürlich. Den Weg von gestern Nacht abgegangen. Das Päckchen lag in den Brombeeren. Er reingeklettert, bzw. den Versuch gestartet, dann kam nämlich ein Jogger samt Hund vorbei. Der Köter schien eine bessere Nase zu haben als der von den Bullen. Das Mistvieh sprintete los, springt in das Loch und freut sich einen Keks über das Päckchen. Stephan und ich entsetzt, keiner wusste, was zu tun war. Der Jogger kommt an, guckt uns an, dann den Hund, dann das Päckchen, fängt an zu grinsen, springt hinterher, wirft meinem Mitbewohner das Gras zu und ruft: Sorry Kumpel, bei mir darf er vorher damit spielen. Sprachs und lief inklusive Hund weiter. Staunend sahen wir uns an. Stephan genehmigte sich etwas und ich kam endlich zu meinem Kaffee…

Summertime/ Klick zum Vergrößern
Wo hast du am besten gegessen?
Seltsamerweise mutierte ich, nun vollkommen auf mich allein gestellt, zum Kochtalent. Die Kinder wollten zwar meist Käsenudeln oder sonstigen ungesunden Kram zu essen, aber ich bevorzugte Rib-Eye-Steaks, selbstgemachte Pizza, Lasagne, Ofenkartoffeln mit Sour Cream, Salate, Maui-Ribs und gegrilltes Gemüse samt Fleisch. Herrliches Leben…
Am leckersten waren wohl die Maui-Ribs. Hier das Rezept (f. 4 Personen)
1,5 kg DÜNN geschnittene Rippchen (ergibt irgendwas zwischen ca. 16-32 Stücke Fleisch)
235ml Soyasauce
120ml Wasser
60ml Apfelessig
30g feingewürfelter Ingwer
5 feingehackte Knoblauchzehen
60ml dunkles Sesamöl
450g braunen Zucker
Einfach alles miteinander verrühren, in eine verschließbare Plastiktüte geben und die Rippchen darin einlegen.
Für 4 Tage im Kühlschrank lagern und mehrmals täglich (!!!) wenden. Anschließend herausnehmen, vorsichtig abtupfen und auf dem Grill bei leichter Hitze garen (die Marinade verbrennt sehr schnell!)
Guten Hunger!
Wo gab es das schlimmste Essen?
Wie gewohnt in den großen Fast-Food-Läden. Das schöne ist, dass man in Kanada auf diese Läden eigentlich nicht angewiesen ist, da die Supermärkte sieben Tage die Woche bis 22:00 Uhr geöffnet sind und eigentlich jeder einen in der Nähe hat, sodass man schnell nochmal losgehen kann, wenn man Abends doch noch was braucht.
Die letzte Sache… Wie bewertest du folgende Dinge durchschnittlich (1 – 5 Sternchen)
Land *****
Leute ****
Arbeitsmöglichkeiten ***
Arbeitgeber ****
Mitarbeiter ***
Hostels **
Bier *
Essen ***
Hilfsbereitschaft *****

Summertime/ Klick zum Vergrößern
Hast du auch für längere Zeit ein Land oder eine Stadt erkundet und möchtest uns davon berichten?
Dann melde dich am besten per PN bei Summertime (SE/WE) bzw. Bird (FE). |
|
|
Longwriter
| | | | HellriderWaffenstillstand - Teil IV
Wieder vergingen Wochen und ich kam keinen Schritt weiter, bis ich mir ins Gedächtnis rief, dass mich Ráz, wie ich ihn mittlerweile liebevoll nannte, nicht töten konnte. Wenn er erst merkte, dass ich sogar Schmerzen in Kauf nahm, nur um zu beweisen, dass es mir wirklich ernst war, dann würde er vielleicht auch wieder nach vorne sehen können. So kam es also, dass ich den heransausenden Hufen nicht mehr auswich. Der Erste traf mich am Knie und der Zweite geradewegs in den Unterleib. Der Zweite war es auch, der um mich herum das Licht ausknipste. Ein paar Tage später versuchte ich es erneut und wenn Ráz sich auch nicht wie ein Gentleman benahm, so hatte ich ihn doch ein wenig verblüfft, denn der erste Tritt kam erst nach einem kurzen Zögern. Er traf mich an der Hüfte, doch ich verbiss den Schmerz und näherte mich weiter und streckte die Hand nach seinem Hals aus. Sein Fell war so weich und warm, wie ich es einem Höllenbewohner niemals zugetraut hätte. Leider war dieses wohlig warme Gefühl nicht von Dauer. Ein schmerzhaftes Reißen an meinem Oberarm in den Ráz sich verbissen hatte, löste es ab und als ich mit voller Wucht gegen eine der steinernen Boxenwände flog, wurde es erneut dunkel um mich herum.
Diesmal dauerte es etwas länger, bis ich wieder fit war und kaum, dass ich auf meinen eigenen Beinen stehen konnte, ging ich wieder zu Ráz. Ich kann nicht genau sagen, wie oft wir dieses Sadomaso-Spielchen spielten, ich weiß nur noch, dass ich wie besessen um die Akzeptanz dieses Höllenrosses kämpfte. Nichts anderes beherrschte meine Gedanken, oder trieb mich in diesem Maße an.
Vielleicht lag es daran, dass dieses Vieh zwischen mir und meiner Rückkehr zu den Sterblichen lag. Ich wusste, würde ich ihn auf meine Seite ziehen können, ihn zur Loyalität mir gegenüber verdammen, dann würde es für mich vielleicht eines Tages eine zweite Chance auf ein echtes Leben geben; eines, das nicht nur 26 Jahre dauern würde.
Ich erholte mich und ging wieder zu ihm und jedes Mal, wenn ich kam, dauerte es etwas länger, bis er mich in die Mangel nahm, aber es wurde auch jedes Mal schlimmer. Das lag nicht daran, dass er anfing mich zu mögen, sondern, was viel schlimmer für ihn war, er begann mich zu respektieren. Klar, das ginge mir genauso, wenn sich jemand von mir Woche für Woche in den Staub treten lassen würde. Nicht das ich zu solchen Mitteln greifen würde.
Ich betrat erneut seine Box. Ich ließ mich beißen und treten und als ich nicht mehr stehen konnte, sank ich blutend in eine Ecke seiner Box und blickte ihm in die flackernden Augen, die nicht mehr lange genug rot bleiben konnten und immer wieder in das sanfte Schokoladenbraun wechselten.
Ráz Bisse wurden halbherziger und seine Tritte gingen immer öfter ins Leere.
Er tänzelte, trat unentschlossen von einem Bein auf das andere und schlug immer wieder heftig mit dem Kopf. «Waffenstillstand?«, flüsterte ich Ráz zu, der mich aus nun gleichbleibend braunen Augen intensiv musterte. Plötzlich ging ein Zittern durch den gigantischen schwarzen Leib, die bisher angelegten Ohren richteten sich nicht freundlich, aber aufmerksam nach vorne und mit einem leises Schnauben, willigte er schließlich in den Waffenstillstand ein. | Ich bin wirklich nicht nah am Wasser gebaut, aber nur mal angenommen, es gäbe Situationen in denen ich mir vorstellen könnte, das ein oder andere Tränchen zu vergießen, dann käme diese durchaus in Frage. Rein theoretisch natürlich.
Libertine/ News Galerie
Ráz und ich waren natürlich von diesem Tage an nicht die besten Freunde und auch wenn er mich nicht mehr trat oder biss, oder mich aus rotglühenden Augen finster anschwefelte, so ließ er mich jeden noch so kleinen Fehler, sei es beim Reiten, oder seiner Versorgung, büßen.
Mir schien es, als habe er ein geradezu teuflisches Vergnügen daran, mich zurechtzuweisen, indem er mich aus dem Sattel buckelte, mich gegen die steinerne Boxenwand quetschte, wenn ich seiner Meinung nach sein Fell nicht richtig bürstete, oder viel besser noch, mir sein Futter ins Gesicht pustete, wenn es nicht nach seinem Geschmack gemischt war.
Mein Vater hat immer gesagt »Lehrjahre sind keine Herrenjahre«, aber gegen den Albtram, den ich gerade durchlitt, war meine Ausbildung wirklich ein Witz gewesen.
Es dauerte Monate, bis Ráz und ich lernten, miteinander auszukommen und auch reiterisch zu harmonieren und erst dann begann das eigentliche Training. Wir mussten lernen unsere Waffen von Pferd aus zu beherrschen, ohne es dabei zu verletzen. Das war schwieriger als gedacht und ich hatte wirklich Angst, den dünnen Faden des Waffenstillstandes zwischen Ráz und mir wieder zu zerreißen, wenn ich ihm durch meine Unfähigkeit Schmerzen zufügen würde.
An diesem Punkt meiner Ausbildung jedoch, kam mir die Erfahrung meines Höllenrosses zugute. Ráz war über die Maßen schnell und wendig und auch wenn ich bislang | immer Zweifel an unserem Verhältnis zueinander gehegt hatte, so musste ich erkennen, dass sein ganzes zickiges Verhalten während des Reittrainings einzig dem Zweck gedient hatte, mich bestmöglich auf das vorzubereiten, was vor mir lag.
Auch wenn er mich vielleicht nicht mochte und er mir einfach unheimlich war, konnte ich nicht verhindern, das sich langsam aber sicher ein Gefühl der Sympathie zu diesem gigantischen Monsterfriesen entwickelte.
Ich wusste jedenfalls mit absoluter Sicherheit, dass egal, was kommen würde, er mich nicht im Stich lassen würde, mögen hin oder her.
An dem Tag, als wir alle unsere Hellrider-Prüfung abgelegt und bestanden hatten, gingen die anderen, mit denen ich noch nie ein Wort außer dem Notwendigsten gewechselt hatte und deren Namen ich nicht kannte und nicht kennen wollte, gemeinsam feiern, während ich mich zu Ráz in die Box setzte, um mich vor allem und jedem zu verstecken.
Vorarbeiter Ghorm, der bei mir unter dem Verdacht stand, Gedanken lesen zu können, fand mich und das tat er immer.
Er lehnte sich an die Boxtür und kraulte Ráz, der genüsslich die Augen geschlossen hatte, unter dem Maul.
»Du willst nicht mit den anderen feiern?«
Ich schaute zu ihm hoch und schüttelte den Kopf
»Und reden willst Du auch nicht?«
»Worüber denn?«
»Was Du willst.«
Es gab da wirklich etwas, dass mich beschäftigte, seit mir bewusst geworden war, dass mein Herz nicht mehr schlug.
»Die Menschen die mich gekannt haben als ich noch lebte, würden die mich wiedererkennen, wenn ich ihnen auf der Erde begegne?«
Vorarbeiter Ghorm nickte und dachte seinerseits ein wenig nach, bevor er antwortete.
»Kein Mensch auf der Erde wird Dich wahrnehmen, es sei denn, es ist der, den Du abholen musst. Für alle anderen sind weder Du, noch dein Höllenross sichtbar.«
Ich kann nicht sagen, was ich mir erhofft hatte, doch die Endgültigkeit, die in diesen Worten lag, nahm mir alles, was noch von Sophie Sellmann in mir gewohnt hatte.
»Dann müssen wir für die, die wir holen kommen ja schrecklich aussehen«, stellte ich schließlich fest, obwohl mein Gehirn ganz andere Dinge zu verarbeiten versuchte.
»Ja, für die Bösen, die Schlechtesten aller Schlechten Menschen, sehen die Hellrider wirklich zum Fürchten aus.«
»Sind denn nicht wir die Bösen?«, wollte ich wissen, doch Ghorm schüttelte den Kopf.
»Das ist doch nicht, was Du mich wirklich fragen willst, oder?«
Ertappt senkte ich den Blick.
»Ich fühle mich betrogen und ich bin noch immer furchtbar unglücklich, obwohl ich wirklich mein Bestes versuche. Alle hier sind freundlich zu mir gewesen, obwohl ich es nicht war und selbst Ráz und ich haben uns arrangiert, aber..» ich brach mitten im Satz ab, weil ich nicht wusste, wie ich es in Worte fassen sollte. Als ich den Faden schließlich wiederfand fragte ich Ghorm »Gibt es irgendeine Möglichkeit? Irgendeinen Weg, oder auch nur den hauch einer Chance, dass ich zurückgehen kann? Wenn nicht als Sophie, vielleicht als jemand anders? Ich vermisse meine Familie, meine Freunde und …» jetzt war es Vorarbeiter Ghorm, der mich unterbrach.
»Es gibt einen Weg, aber…..«
|
|
|
|